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Kids-Sicherheitstag

Rennfahrer und Zebrastreifen-Ponys

Um ihren Schulweg zu meistern, müssen Kinder lernen, sich sicher im Strassenverkehr zu bewegen. Die Kinder der Wiedlisbacher Unterstufe haben das am Montag geübt – mit einem Profi und einem Spitzensportler.

Stoppe – luege, – luege – lose – loufe», wiederholt Jürg Steiner immer und immer wieder mit lauter Stimme. Der Merkspruch soll Kindern helfen, sicher die Strasse zu überqueren. Und genau das übt der Sicherheitsausbilder am Montagmorgen mit den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe Wiedlisbach.

Mit seiner Firma «Kind und Sicherheit» führt Steiner schon seit über fünfzehn Jahren Schulungen in der ganzen Deutschschweiz durch. Morgen und am nächsten Mittwochnachmittag wird der ehemalige Polizist den Wiedlisbacher Kindern beibringen, sich vor sexuellen Über­griffen, Mobbing und Gewalt zu schützen. An diesem Montag sollen die Schülerinnen und Schüler vor allem lernen, sich sicher im Strassenverkehr zu bewegen.

Dafür ist eine ganze Reihe von Aktivitäten geplant. Denn der Kurstag soll erlebnisorientiert sein: «Das Ziel ist es natürlich, dass bei den Kindern möglichst viel von dem hängen bleibt, was da heute gesagt wird», sagt Steiner. «Wenn sie Spass an der Sache haben, hilft das enorm.» So ist schon der erste Programmpunkt ein Höhepunkt: Die Kinder dürfen ein echtes Pony mit gelber Farbe bemalen und es so in ein «Zebrastreifen-Pony» verwandeln.

Nach der grossen Pause de­monstriert Steiner, was für einen gewaltigen Unterschied es macht, ob man beim Fahrradfahren einen Helm trägt oder nicht. Dafür lässt er zwei Kokosnüsse aus einem Schulhausfenster in dreieinhalb Metern Höhe fallen: eine einfach so, ganz ohne Schutz, und die andere eingepackt in einen Fahrradhelm. «Das war wirklich schon eindrücklich – nicht nur für die Kinder», sagt Gemeinderätin Katja Bevilacqua, die den Sicherheitstag betreut.

«Es passieren immer wieder schlimme Unfälle auf den Schweizer Strassen», sagt Steiner, «man kann eigentlich gar nicht genug machen für die Sicherheit der Kinder.» So wird als Nächstes noch einmal gründlich geübt, wie man die Strasse richtig überquert.

Auch für diesen Programmpunkt hat sich Steiner etwas Besonderes einfallen lassen: In dem Auto, das immer wieder hin- und herfährt und für die Kinder anhält – Rad steht, Kind geht –, sitzt nicht einfach irgendwer, sondern Formel-1-Pilot Marcus Ericsson.

Die Schulung soll ein «cooles Erlebnis» für die Kinder sein. Das gelingt: Sie freuen sich sichtlich über den prominenten Gast und stehen vor und nach der Trainingssession aufgeregt für ein Autogramm Schlange.

Mustergültig und mit viel Geduld führt der Schwede, der seit 2015 für den Schweizer Rennstall Sauber fährt, vor, wie sich Autofahrer den kleinen Fussgängern gegenüber verhalten sollen: Einen Meter vor dem Zebrastreifen stoppen und die Hände am Lenkrad lassen.

Man soll Kinder nämlich nicht über die Strasse winken. Das ist vielen Autofahrern nicht bewusst. «Kinder können die Distanzen und Geschwindigkeiten der Autos nicht einschätzen», erklärt Steiner. Deshalb warten sie zum Beispiel auch dann am Fussgängerstreifen, wenn ein heranfahrendes Auto noch weit weg ist. «Das Kind soll selber entscheiden, wann es sich sicher fühlt, über den Fussgängerstreifen zu gehen. Wir Erwachsenen müssen da einfach ein bisschen Geduld haben.»

Quelle: Berner Zeitung, 03.09.2018